Donnerstag, 31. Dezember 2009

Das wars

Damit wäre meine Zeit in Brasilien abgeschlossen. Es gibt keinen Grund mehr, Berichte über Brasilien zu schreiben. Möglicherweise werde ich bei jedem Besuch etwas reinstellen.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen treuen Lesern bedanken und euch allen ein tolles Jahr 2010 wünschen!

Packen

Der Montag war für das Packen reserviert. Zunächst schlief ich aus, dann wollten die Koffer aber nicht länger warten. Ich packte, wog alle paar Minuten und packte weiter. Es war eine schreckliche Prozedur und ich wusste immer genau, wieviel ich wog, denn der Koffer wollte sich nicht alleine wiegen. Den ersten Koffer habe ich sehr erfolgreich gepackt, er war relativ voll und wog genau 23,9 Kilo (wenn man nur 23 Kilo mitnehmen darf, wollte ich nicht 24 Kilo haben). Doch der zweite Koffer wollte nicht. Als nur das allernötigste drinnen war, war er nicht ausgestopft genug und auch etwas leicht. So packte ich mehr rein und er war prompt zu schwer. Bis ich da das richtige Mittelmaß gefunden hatte, das dauerte. Dann war mein Handgepäck dran. Zwar dürfen in Brasilien nur 5 Kilo Handgepäck genommen werden, aber da ich mit Lufthansa fliegen wollte und die eine deutsche Gesellschaft sind, wollte ich auch 8 Kilo haben. Leider lag noch sehr viel auf dem Bett als ich schließlich meine 8 Kilo im Handköfferchen drinnen hatte. Der Verzweiflung nahe, bekam ich plötzlich eine Idee: Wenn ich die große Tasche, die ich von der Schweizerschule als Handtasche nähme, dann würde vielmehr mitkommen. Zur Sicherheit fragte ich noch meine Oma, ob das so durchgehen würde. Sie meinte schon. Gesagt, getan. So kamen mein Laptop, Bücher und andere besonders schwere Sachen in meine Handtasche und leichte Sachen in mein Handköfferchen. Meine Handtasche wog am Ende dann nochmal 6-7 Kilo. Leider ist, wie ich schonmal schrieb, viel in Brasilien geblieben. Manches davon hat meine Tante mir inzwischen mitgebracht.

Abschiedsfeier

Am Sonntag Abend feierte ich mit ein paar Verwandten meine Abschiedsfeier. Wir fuhren in eine Pizzaria und nahmen uns einen Riesentisch. Das war ein Rodizio, d.h. die Pizza geht immer rum und man nimmt sich ein Stück von der, die man gut findet. Wir hatten unheimlichen Spaß, es gab mal wieder sinnfreie Fotos, von irgendwelchen Cousins geknipst. Zu beginn bekam nur mein Onkel ein Stück Pizza, dann war der Teller des Kellners leer. Der nächste Kellner kam auch nur mit einem Stück Pizza und wieder bekam nur dieser Onkel ein Stück, obwohl der sein erstes noch nichtmal angegessen hatte. Sehr witzig war auch, wie ein Cousin und meine Tante versuchten, an eine Vierkäsepizza oder Lasagne zu kommen. Jedes Mal, wenn ein Kellner kam, bestellten sie diese neu und der Kellner sagte immer brav, ja. Aber die Sachen kamen nicht, weder die Pizza, noch die Lasagne. Schließlich kam der Oberkellner oder was auch immer und fragte, ob alles in Ordnung sei, woraufhin die beiden brav mit ja antworteten. Die Frau meines Cousins meinte energisch, dass eben nicht alles in Ordnung sei und wir schon seit geraumer Zeit auf die Pizza und/oder die Lasagne warten würden. Dieser Oberkellner rannte los. Nach kurzer Zeit kam er wieder und meinte, dass es nur noch zwei Minuten dauern würde. Die Pizza war dann aber schneller da. Da war der Cousin beleidigt, dass es bei ihr soviel schneller ging. Später bestellte die Tante, die schon keine Pizza bekommen hatte, die süße Pizza mit Schokolade und Erdbeeren. Das dauerte. Als wieder ein Kellner vorbeikam, fragte mein Onkel, wo seine Pizza mit Schokolade blieb (dieser Onkel, der zu Beginn schon zwei Stücke für sich bekommen hatte). Der Kellner war noch nicht ganz aus dem Gastraum raus, da kam die Pizza schon. Scheinbar werden in dieser Pizzaria manche Leute bevorzugt behandelt.

Umzug

Nach der kurzen Nacht nach der Formatura, sollte mein Umzug stattfinden. Dazu wollte ich noch meine übriggebliebenen Reais in Euro umtauschen und für meine Tante eine Vollmacht ausstellen lassen, für alle Dinge, die ich nicht geschafft oder vergessen hatte. Um es vorweg zu nehmen, ich habe es geschafft! Es war superstressig, bin den ganzen Tag gelaufen und hatte tatsächlich alle Koffer gepackt, bis meine andere Tante kam, um mich mit den Möbeln abzuholen. Am Abend war ich dafür dann auch sehr fertig und müde.

Formatura

An meinem letzten Freitag sollte mein Cousin seine Formatura - seine Abschlussfeier der achten Klasse haben. Bisher war ich noch nie auf einer brasilianischen Formatura und war sehr gespannt. Ich lieh mir ein Kleid von meiner Cousine aus, denn meine Kleider dünkten mir nicht standesgemäß. Schon Stunden vorher malträtierte ich den Spiegel und versuchte mich so schick wie möglich zu machen. Leider verlor ich meinen einen Ring im Abfluss. Dieser Verlust schmerzte mich, aber inzwischen hab ich mich daran gewöhnt... Eine Kollegin holte mich ab und wir fuhren den weiten Weg zum Club, indem die Feier stattfinden sollte. Dort angekommen, war ich über die übertriebene Aufmachung froh, denn so fiel ich nicht so sehr auf. Die Feier lässt sich in wenigen Worten beschreiben: Es gab eine Rede nach der anderen. Sie fing übrigens mit 1,5 Stunden Verspätung an. Dann war endlich das Buffet eröffnet, was die Küche nicht mitbekommen hat. Möglicherweise ist die bei den vielen Reden eingeschlafen und war schließlich überrascht, dass die Gäste auch noch etwas essen wollten. Zumindest waren wir recht am Anfang der Schlange und wollten diesen Platz nicht wieder aufgeben. So warteten wir 20-30 Minuten, bis die Türen zum Buffet schließlich aufgingen. Manche wollten schon durch Fenster klettern oder die Türen einschlagen, wir waren dann aber doch so wohl erzogen, dass es keine Unfälle gab.

Unterrichtssimulation

In der letzten Schulwoche, als kaum noch Schüler in die Schule kamen, ging ich so durch die Flure, um den Musikraum aufzuräumen. Als ich da so entlangging, hörte ich zunächst einen Lehrer reden. Kurze Zeit später sah ich, dass er in dem Klassenraum, vor dem Schreibtisch saß, den Laptop vor sich und redete wild gerstikulierend vor sich hin. Das machte mich neugierig, der hat Schüler? Wieviele denn? Ich lugte vorsichtig in den Klassenraum und sah... nichts, keine Schüler. Kurze Zeit später merkte ich, dass er über Skype telefonierte. Wir haben beide gelacht!

Montag, 28. Dezember 2009

Arztbesuch

Zum Abschluss einer Arbeitstelle, muss der Brasilianer zum Arzt gehen. Von dem Arzt hatte ich so einiges gehört und wollte da unter keinen Umständen alleine hingehen. So ging meine Tante mit. Aus Unwissenheit hatte ich nicht einmal meine Dokumente mit. So musste der Arzt mir glauben, dass ich ich sei und hat mich dann auch für gesund erklärt. Obwohl der Arzt mich nicht angefasst hat, war ich doch froh, dass ich in Begleitung kam, denn die Räumlichkeiten waren nicht gerade vertrauenserweckend. Zunächst der Fahrstuhl: Er war sehr eng, passten nur fünf Leute nach Beschreibung rein. Müssen aber echte Hungerhaken sein, denn zu dritt war er schon gut ausgefüllt. Der Fahrstuhl hielt auch nur alle zwei Etagen, so mussten wir eine Etage zu früh aussteigen und den Rest zu Fuß gehen. Als wir auf den Arzt warteten, hörten wir ihn auf der Toilette. Es hörte sich so an, als ob die Türe nicht geschlossen wäre, gesehen haben wir natürlich nichts. Hinter seinem Schreibtisch, er öffnete einmal die Tür, war wohl so etwas wie eine Küche. Dreckige Kisten übereinander gestapelt und auch sonst irgendwie nicht so einladend. Auf dem Rückweg wollten wir übrigens lieber die Treppe benutzen als den Fahrstuhl...

Abschiedsfeier mit den Lehrern

Die war am 16.12., einem Mittwoch. Deborah und ich waren noch ganz gemütlich in den Räumlichkeiten unterwegs, als eine Kollegin uns aufgeregt holte, Petra wolle noch mit uns sprechen. Deborah meinte ganz naiv, dass sie doch eben mit Petra gesprochen hätte. Ich meinte zu ihr, wir seien doch nicht dumm, dass uns auch andere Lehrer heimlich verfolgten... Da hatte auch sie begriffen, dass wir zu einer Überraschungsparty gingen! Das war ganz süß, wir bekamen je ein Paar Flipflops - beide waren gleichgroß. Meine waren eine Nummer zu groß, die von Deborah waren eine Nummer zu klein. Egal, die Tat zählt. Dann haben wir noch Badetücher mit eingestickten Namen bekommen. Darüber haben sich Deborah und ich besonders gefreut, da können wir uns besuchen und jeder hat SEIN Badetuch!

Abschied von Deborah

Am Montag, dem 14.12., war der Abschied von Deborah. Wir gingen ins Jardins Grill, einem etwas teurerem Restaurant. Deborah und mir fehlte etwas die Hintergrundmusik, so sangen wir einfach selbst. Auch sonst hatten wir unheimlich viel Spaß, kein Kellner war vor uns sicher. Natürlich war ich nicht der einzige Gast von Deborah, aber bestimmt einer der wichtigsten Leute :-) Leider war die Rechnung auch entsprechend hoch, die Summe hätte mich beinahe umgehauen. Zum Glück hatte ich noch Taxigeld für den Notfall dabei, so konnte ich die Rechnung ohne Peinlichkeiten bezahlen!

Abendessen mit den Lehrern

Die gemeinsame Weihnachtsfeier gestaltete sich in einem gemeinsamen Abendessen in der Schule. Dazu war extra ein Koch eingeladen, der für uns arabisch kochte. Nach dem Essen gab es die Geschenke. Da es in Brasilien immer nach den Vornamen geht, hab ich mich zurückgelehnt, U kommt im Alphabet ganz hinten. Als ich gerade die Stuhllehne berührte, hörte ich meinen Namen. Ich dachte, da verhör ich mich doch, doch alles schaute mich an und so bin ich aufgestanden und nach vorne gegangen. Ja, ich war die Erste, weil ich die Schule verlassen würde. Damit bekam ich ein Sondergeschenk. Danach wurde der Chef beschenkt, denn auch er verließ die Schule und dann erst kamen die regulären Geschenke. Eine "modische" Umhängetasche mit dem Logo der Schule drauf und ein Kochbuch.

Abschied von den Kindern

Am 09.12.2009 war es soweit, der letzte gemeinsame Schultag mit allen Kindern brach an. Am Ende des Tages weihte ich die Kinder ein, dass sie mich im nächsten Jahr nicht mehr sehen würden, da ich zurück nach Deutschland gehen würde. Ich wollte die Kinder nicht schocken. Die Kinder vom letzten Jahr, fragten ja bis zum Ende dieses Jahres, wo ihre alte Lehrerinnen geblieben waren und das wollte ich meinen Kindern nicht antun. In den nächsten zwei Tagen kam zunächst die eine Hälfte mit ihren Eltern, dann die andere. Gemeinsam haben wir Schultüten gebastelt. Die Kinder haben sehr schöne Schultüten gebastelt und sich von mir verabschiedet. Warum ich allerdings tonnenweise Seife bekommen habe, ist mir unklar :-)

Nikolaus

Auch in der Schule haben wir Nikolaus gefeiert. Dazu kam ein älterer Lehrer, als Nikolaus verkleidet, durch die Räume. Vorher hatte ich ihm zu jedem Schüler einen positiven und einen negativen Satz geschrieben. Dieser Lehrer rief jedes Kind einzeln zu sich und sagte ihm, was es gutes und auch schlechtes in diesem Jahr verbrochen hätte. Die Kinder waren überrascht, woher der Nikolaus soviel wusste. Leider respektierten sie diesen Besuch überhaupt nicht und schrien sich zum größten Teil die Kehle aus dem Leib, so dass der Mann kaum sprechen konnte. Zum Glück kannte er die Situation meiner Klasse, wusste, dass wir alle längst Ferienreif sind, sonst wäre ich in den Erdboden versunken...

Deborah in Witmarsum

Am ersten Wochenende im Dezember sind Deborah und ich nach Witmarsum gefahren, um dort das Wochenende zu verbringen. Während der Wartezeit sind Deborah und ich in ein Kaffee in Curitiba gegangen, wo es sehr leckere Torten gibt, die man pro Gramm bezahlt. So kann man sich von allem ein bisschen nehmen und schlemmen. Nach dieser Schlemmtour sind wir endlich mit unserer Mitfahrgelegenheit nach Witmarsum gefahren. Am Abend zogen wir uns "7 Zwerge" rein. Als wir endlich schlafen gehen wollten, war vor unserer Badezimmertür ein Frosch. Weil wir leider nicht so schnell reagierten, sprang der Frosch ins Bad. Da hatten wir den Salat. Nachdem alle Fangmöglichkeiten ausgeschöpft waren (ich holte sogar einen Eimer, um ihn über den Frosch zu stülpen), fanden wir uns damit ab. Es war ja schon spät, im Haus war keiner mehr wach. Am nächsten Morgen wollten wir aber nicht mit Frosch duschen gehen. So rief ich meine Tante (bei der wir wohnten) und bat sie, den Frosch zu entfernen. Leider war er verschwunden. Wir einigten uns darauf, dass er durch das Fenster gekrochen war.
Samstag Vormittag wurden wir zwei mit einem Puzzle (sehr groß, aber die Anzahl der Teile weiß ich nicht mehr) ruhiggestellt. Bis zum Ende des Wochenendes hatten wir es übrigens gelöst! Am Nachmittag sind wir ins Dorf gefahren, haben uns beim Weihnachtsbasar durchgefuttert, der Tanzgruppe zugeschaut, Käse gekauft und etwas durchs Dorf spaziert.
Als wir am Samstag Abend wieder ins Bett wollten, saß Heinz wieder im Bad (wir haben dem Frosch einen Namen gegeben). Diesmal war mein Onkel noch wach. Wir holten ihn und er fing den Frosch. Dann meinte er nur noch "Lauf" und zielte mit dem Frosch direkt in meine Richtung. Durch lautstarken Protest konnte ich jedoch diesen Angriff abwenden und endlich konnten wir das Bad problemlos benutzen!
Sonntag fuhren Deborah und ich mit einer weiteren Tante nach Vila Velha. Vila Velha heißt übersetzt, alte Stadt und ist aus Felsen oder sowas ähnliches. (Kurzer Überblick unter: http://www.brasilienportal.ch/index.cfm?nav=12,3,17,40,343) Zuerst mussten wir einen Film schauen, indem uns erklärt wurde, wie wir uns auf dem Gelände zu verhalten hätten. Interessanterweise waren wir die einzigen Zuschauer. Danach durften wir in den Touristenbus und durch die Landschaft von Vila Velha wandern. Manche Menschen würden sagen, dass alles auf Touristen abgestimmt ist. Falsch, die Touristen haben schon viel kaputt gemacht und der Bus, die Wege usw. schützen die alten Steine, die verschiedene Bilder (wie Schuh, Colaflasche usw.) zeigen.
Zurück in Curitiba fuhren wir mit dem Taxi nach Hause. Wir entschlossen uns, dass Deborah zuerst abgesetzt werden sollte. Das war auch gut so, denn in Curitiba war gerade ein Fußballspiel zuende. In diesem Fußballspiel entschied sich, dass die eine Mannschaft aus Curitiba von der ersten Liga in die zweite Liga absteigen müsste. Der Taxifahrer meinte schon, dass wir es vermutlich nicht schaffen würden, denn Deborah wohnte in der Nähe des Stadiums und wenn eine Mannschaft absteigt, dann gibt es (unübertrieben) Tote! Wir schafften es aber gerade noch und fuhren mit quietschenden Reifen davon. Am nächsten Tag konnten wir in der Zeitung lesen, wieviele an diesem Abend gestorben waren und wieviele nur verletzt wurden, es war schlimm...

Ein Blick zurück

Jetzt endlich finde ich die Zeit, euch von meinem letzten Erlebnissen in Brasilien zu erzählen. Die kommenden Blogeinträge sind also in der Vergangenheit zu lesen...

Sonntag, 27. Dezember 2009

Mein langer Weg zurück...

Bevor ich euch mit weiteren erlebten Details aus der Zeit in Brasilien langweile, möchte ich erstmal eure Sensationsgier über meinen Rückflug befriedigen!
Alles fing ganz harmlos an. Am 22.12.2009 wurde ich um 2:40 Uhr am Morgen sanft aus dem Bett und somit auch aus den schönen Träumen gerissen. Ich packte meine restlichen Sachen und schon um 3:30 Uhr saß ich im Auto, das mich zum Flughafen bringen sollte. Auf der Fahrt war ich abwechselnd total aufgedreht und völlig übermüdet. Am Flughafen angekommen, gab es schon Betrieb. Ich machte meinen Check-In und begab mich in die Warteräume. Da wir keine zwei Stunden vor dem Abflug da waren, durfte ich fast direkt ins Flugzeug steigen, das mich nach São Paulo brachte. Natürlich war im Flugzeug eine Schülerin aus der Schweizer Schule. Ich war ganz überrascht, aber so konnte ich nochmal mit ein paar netten Leuten quatschen. Dort angekommen, musste ich 7 Stunden und ein paar Minuten warten, bis mein Weiterflug ging. Ich suchte mir also ein nettes Plätzchen, fast direkt am Schalter und machte es mir gemütlich. In dieser Zeit las ich fast ein ganzes Buch auf Portugiesisch durch. Zwischendurch musste ich aufstehen oder andere Dinge tun, denn die Müdigkeit wollte mich packen. Ich wollte aber nicht alleine, mit soviel Gepäck am Flughafen einschlafen. Endlich ging es weiter! Ich lernte Johanna kennen, ein Mädel, die vier Monate Praktikum in Buenos Aires gemacht hat. Wir redeten ein bisschen und stiegen ins Flugzeug. Gleich nach dem Abflug schlief ich fest ein. Zwischendurch bekam ich mit, dass wir etwas zu trinken oder auch unser Abendessen bekamen, aber das interessierte mich jetzt nicht mehr. Mein Nachbar hörte auch wahnsinnig laut Flugzeugradio, aber auch das störte mich nicht. Nach 1,5 Stunden kam eine Nachricht vom Kapitän: "Bitte entschuldigen Sie die Störung. Anscheinend ist Öl in einen der Motoren gelaufen. Das ist kein Problem, wir können auch so weiter nach Deutschland fliegen. Wir sind gerade auf dem Rückflug nach São Paulo. Wir bedanken uns für Ihre Geduld!" Okay, hab ich mir gedacht, der wird schon wissen, was richtig ist. Meinen Anschlussflug hab ich damit verpasst. Ich schlief wieder ein, diese Nachricht konnte mich noch nicht wach halten. Doch schon die nächste Nachricht sollte mir mehr Angst machen: "Bitte entschuldigen Sie die Störung. Wenn Sie hinausschauen, sehen Sie auf jeder Seite weiße Streifen aus den Flügeln kommend. Das ist nichts aussergewöhnliches, wir müssen nur etwas Brennstoff herauslassen, da wir für drei Motoren zu schwer sind. Vielen Dank für Ihre Geduld!" Hm, Brennstoff rauslassen, wenn man auch mit drei Motoren bis Deutschland gekommen wäre? Tankt man soviel zuviel? Nun ja, wir flogen weiter, jetzt konnte ich allerdings nicht mehr schlafen. Schließlich und endlich kamen wir in São Paulo an. Aber was war das? Das Flughafengebäude düste nur so an uns vorbei. Wir waren zu schnell für die Landung... Aber nach zwei Vollbremsungen war auch dieses Problem gelöst und wir standen endlich, von Feuerwehrautos umgeben, auf dem Landeplatz. Wer es nicht weiß, Feuerwehrautos sind - zumindest am brasilianischen Flughafen - gelb und nicht rot, um die Leute nicht zu beunruhigen. Da wir in der Klasse ja das Thema Flugzeuge hatten, war mir diese Nachricht bekannt. Da standen wir nun und warteten etwa zwei Stunden. In dieser Zeit las ich etwas, denn tun konnte man nichts. Der Motor wurde überprüft und immer wieder bekamen wir Gäste Nachricht über den aktuellen Stand. Schließlich wurde uns gesagt, dass der Motor leider nicht so schnell zu reparieren sei und wir aussteigen sollten und in Hotels verfrachtet werden würden. So nahmen wir unser Gepäck und dabei fand ich nicht nur Johanna wieder, sondern wir lernten auch noch Harald (einen Österreicher) kennen. Wir nahmen unser Gepäck und folgten den anderen zu den Bussen. Im Ceasar Business (http://travel.hotels-and-discounts.com/hotel/propertydetails/218045/PHOTOS?isHRN=true&position=0) wurden wir drei untergebracht. Zunächst mussten wir lange Schlange stehen (in Brasilien müssen für einen Hotelaufenthalt unheimlich viele Daten aufgenommen werden). Dabei drängelten sich die Brasilianer und Italiener immer vor. Schließlich kamen wir dran. Wir gingen in unsere Zimmer. Ich schloss die Tür meines Zimmers auf und fand zwei offene Koffer darin - mein Zimmer war bewohnt. Ich schloss wieder ab und brachte meine Koffer zu Johanna ins Zimmer. Da man eine halbe Stunde umsonst im Internet sein konnte, nutzten Johanna und ich das aus und holten unsere PCs. Zu meinem Glück war mein Onkel gerade im Skype, so konnte ich ihm berichten, was passiert war und er konnte meine Eltern benachrichtigen. Als ich da so saß, hörte ich ein bekanntes Unrich. Ich schaute mich um, ich hatte mich doch niemandem vorgestellt. Da sah ich plötzlich zwei Schülerinnen aus der Schweizer Schule. Das tat ja fast gut, bekannte Gesichter zu sehen. Wir begrüßten uns und gingen weiter unsere Wege... Wir gingen zum Abendbrot, denn die Schlange war noch unheimlich lang zur Rezeption hin. Nach dem Abendbrot setzten wir uns noch gemeinsam an die Bar und warteten, bis keiner mehr auf die Rezeption wartete. Ich nannte den Leuten kurz mein Anliegen und bekam mit vielen Entschuldigungen eine neue Karte für ein anderes Zimmer. Ich holte einen Koffer und fuhr in die neunte Etage. Dort fand ich nur meine Zimmernummer nicht. Etwas verwirrt fuhr ich wieder runter und fragte, wie ich denn mein Zimmer finden könnte. Aber, aber, das musst du doch mit den Panoramafahrstühlen fahren. Ja, ist klar. Ich fuhr hoch, öffnete die Tür und dachte dann, dass man sich vertan hätte. Solch ein luxuriöses Zimmer ist doch bestimmt nicht für mich gedacht. Ich hatte nicht nur Dusche, ich hatte auch eine Badewanne und auch ein Telefon, direkt am Klo dran (falls man es mal braucht, um alle wichtigen Geschäfte auf einmal zu verrichten). Ich holte meinen zweiten Koffer bei Johanna ab und sagte zu ihr: "Du hast ein Zimmer und ich hab einen Traum!" Nach einer Nacht, in der ich wunderbar geschlafen habe, trafen wir uns zum Frühstück. Das war ein Festessen! Viel Auswahl und superleckeres Obst. Nach dem Frühstück bekamen wir weitere Informationen. Der Motor war ganz hinüber, es musste ein neuer aus Deutschland bestellt werden. Bis der ankommen würde, würden vier bis fünf Tage vergehen. Es würde jetzt ein neues Flugzeug aus Deutschland geholt werden, das erst gegen Mitternacht fliegen würde. Damit war klar, Heiligabend wäre ich nicht bei meinen Eltern. Am Anfang war es schwer, dann suchten wir die positive Seite. Schauten, was man denn so machen könnte und entschlossen uns, Mittag essen zu gehen, da wir so wenigstens an Trinkwasser rankamen. Wir verbrachten die ganze Mittagszeit 11:30 Uhr bis 15:30 Uhr im Restaurant und tranken hauptsächlich Wasser. Da Johanna ihren Schlaf noch nicht nachgeholt hatte, ging sie ins Bett und Harald und ich schauten die Anlage mal genauer an. Dabei fanden wir einen Billardtisch und spielten Billard. Nun ja, wenn es nach meinen Sprüchen ging, hätte ich bestimmt gewonnen, so hab ich nicht ganz gewonnen. Wir hatten aber alle viel Spaß, denn es gesellten sich noch andere Fluggäste dazu. Schließlich ging ich zurück auf mein Zimmer, um meine Sachen zu packen. Ich telefonierte auch gleich mit meiner Mama, um eine Flugverbindung von München Richtung Nähe meiner Eltern herauszufinden. Nach dem Auschecken ging es nochmal ins Restaurant, zum Abendbrot. Dann ging es in den Bus und Richtung Flughafen. Dort mussten wir wieder lange Schlange stehen, denn alle Passagiere mussten ihre Koffer neu abgeben und mindestens die Hälfte wollte einen Weiterflug. Wir hatten inzwischen noch eine Begleiterin gefunden, die Andrea, und hatten unheimlich viel Spaß miteinander. Endlich war ich am Schalter. Ich fragte nach einem Anschlussflug und erhielt die Nachricht, dass das nicht gehen würde. Ich bat also darum, meine Mama anrufen zu dürfen, damit sie mir von Deutschland aus wenigstens einen Platz in irgendeiner Maschine reservieren könnte. Der nette Herr bat mich ins Reisebüro, auf der anderen Seite der Schalter. So ging ich um die Schalter und wartete höflich an der Tür des Reisebüros.
An dieser Stelle möchte ich kurz den Unterschied im Verhalten der Deutschen zum Verhalten der Brasilianer aufzeichnen: Während sich die Deutschen schnell mit der Tatsache abfanden, ruhig und sogar lustig waren, brüllten und tobten die Brasilianer, gingen auf sämtliche Deutsche los (auch mich wollten sie schlagen, weil ich Deutsche, also verantwortlich für die Lufthansa bin). Im Hotel rotteten sich die Brasilianer zusammen, fanden unter den Passagieren einen deutschen Anwalt und wollten eine Sammelklage gegen die Lufthansa starten. Das sollte in Deutschland sein, damit sie mehr Geld bekämen, denn in Brasilien würde diese Klage niemals durchkommen. Ich hab das Problem nicht erkannt. Ja, wir haben Heiligabend verpasst. Ja, manche waren nichtmal zu Weihnachten dort, wo sie sein wollten. Aber wir lagen auch nicht am Meeresgrund. Die Lufthansa hat kompetent reagiert, hat ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und sich gegen Geld und für unsere Sicherheit entschieden. Denn unser verlängerter Aufenthalt in Brasilien hat der Gesellschaft viel Geld gekostet!
An der Tür des Reisebüros bekam ich also mit, wie wieder ein paar Brasilianer vor sich hintobten und die Angestellten, die das schon den ganzen Tag hatten, gar nicht mehr richtig auf diese Menschen reagierten. Der eine schrie, dass bei unserer Notlandung keine Feuerwehr da war. Dem erklärte ich, dass sehr wohl Feuerwehr da war und dass die Feuerwehr am Flughafen eben gelb sei und nicht rot. Dann brüllte er, dass wir im Hotel keine Nachrichten bekommen hätten. Daraufhin erklärte ich, dass ich sehr wohl alle Nachrichten bekommen hätte. Das Personal sei unhöflich gewesen und hätte ihn wie den letzten Dreck behandelt. Ich meinte, dass das Personal mir gegenüber sehr freundlich gewesen wäre und ich keine Probleme gehabt hätte. Als er weiter tobte und ich nicht mehr alles verstand, stand ich wieder leise an der Tür. Irgendwann fragte der Chef der brasilianischen Lufthansa einen Mitarbeiter, was die denn da macht. Er wusste es auch nicht. So sprach der Chef mich an und ich erklärte ihm, dass sein Mitarbeiter mir angeboten hätte, dass ich nach Deutschland anrufen könnte. Er wollte wissen, warum ich anrufen wollte und ich erklärte ihm, dass ich gerne einen Inlandflug in Deutschland reservieren lassen würde. Er fragte, ob er mir diesen Inlandflug buchen dürfte. Da hab ich ihm erklärt, dass er das ja nicht dürfte, zumindest wurde es mir am Schalter so erklärt. Doch, er könnte das und ist direkt zu den Schaltern gegangen und hat es seinen Mitarbeitern auch gesagt. Dann hat er für mich den Flug rausgesucht und gebucht. Danach fragte er, ob mein Gepäck schon durchgecheckt ist. Nein, ich wusste ja nicht, ob das gehen würde. So sandte er einen Mitarbeiter zur Abfertigungshalle und lies meinen Koffer umleiten, sodass er bis Hannover durchging. Leider könnte er nur mein Ticket nicht ausdrucken, aber ich hätte hier ein Papier, da stünde alles drauf. Okay, das war aber nett. Vielleicht könnten Sie dann auch den Weiterflug meiner Freundin Johanna buchen? Wohin will die denn? Nach Leipzig. Aber da geht kein Flug hin. Doch, doch, meine Mama hat einen rausgesucht, um 20:35 Uhr. Wir suchten gemeinsam, bis wir diesen Flug endlich fanden. In der Zwischenzeit erzählte ich ihm, dass Johanna eigentlich ihre Eltern zu Weihnachten überraschen wollte, dass diese Überraschung leider nicht ganz so geklappt hätte... Er brauchte dann noch den vollständigen Namen, den hatte ich aber nicht. Okay, dann würde er alles vorbereiten und Johanna müsste sich am Boardingschalter melden. Voller Freude bin ich losgezogen, hab auch schnell die anderen drei gefunden. Bin zu Johanna gegangen und habe ihr gesagt, dass ich einen Flug gebucht hätte, um 20:35 Uhr, nach Leipzig auf eine gewisse Johanna. Die hat sich wahnsinnig gefreut! Ist zum Schalter gegangen. Es hat alles noch eine Weile gedauert, aber dann hatte auch sie ihre Weiterflugmöglichkeit in der Hand. Ich hab mir gedacht, dass man - zumindest beim brasilianischen Lufthansapersonal - mit Freundlichkeit viel weiter kommt, als mit dem Schreien und Toben. Endlich stiegen wir ins Flugzeug. Es war riesig (Airbus Typ A340)! Der Kapitän erklärte uns auch, dass es absichtlich so sei, damit möglichst alle Fluggäste zwei Plätze für sich hätten, um ausruhen zu können. Leider konnte ich kaum schlafen, denn bei jedem kleinen Ruckeln bin ich aufgewacht und habe Angstzustände bekommen. So habe ich gelesen und zwei Filme geschaut. Endlich kamen wir an! In München waren wir etwas früh dran. Ich fand einen Edeka und kaufte mir schnell noch eine Flasche Wasser, bevor alle Läden zumachten, denn inzwischen war es 16:30 Uhr - Heiligabend... Vor dem Check-In saßen noch mehr Leute die nach Hannover wollten. Davon hatte nur ich ein Ticket. Zwei brasilianische Mädchen, die weder deutsch noch englisch sprachen, hatten mich schon in São Paulo angesprochen, ob ich ihnen nicht in Deutschland helfen könnte. So versuchte ich ihnen zu helfen, schickte sie aber in die falsche Richtung. Als sie nicht wiederkamen, bekam ich Angst und rannte los. Zunächst bis dahin, wo ich sie geschickt hatte, dann bis dahin, wo sie eigentlich hinwollten. Ich fragte nach, ob sie gesehen wurden. Schließlich war ich am Lufthansaschalter gelandet. Dort fragte ich wieder nach. Und weil ich schon dabei war, erzählte ich dem Mann am Schalter, dass beim Condorschalter eine Menge von den Fluggästen aus meinem Flugzeug waren, die kein Ticket mehr hatten. Ich fragte ihn, ob es vielleicht eine Möglichkeit gäbe, diesen Leuten das Einchecken zu erleichtern. Er sprach mit der Chefin, rief bei Condor an und warnte die Leute erstmal. Dann ging er selbst zu dem Schalter, öffnete einen eigenen Lufthansaschalter und half den Leuten, einen Platz nach Hannover zu bekommen. Danach bedankte er sich ganz herzlich bei mir. Als um 20:45 Uhr die Maschine endlich nach Hannover ging, war ich froh! Am 24.12., gegen Mitternacht war ich endlich bei meinen Eltern angekommen!

Freitag, 25. Dezember 2009

ANGEKOMMEN

Mit nur 40 Stunden Verspätung, bin ich am 24.12. etwas kurz vor Mitternacht bei meinen Eltern angekommen! Wie alles genau war, schreib ich ausführlich in den nächsten Tagen. Heute möchte ich erstmal Weihnachten feiern :-)

Montag, 21. Dezember 2009

Zum Schluss

Möchte ich hier aus Brasilien nur noch schreiben, dass ich die Endberichte aus Deutschland schreiben werde... An alle, die gerne eine Kleinigkeit bekommen hätten, muss ich sagen, dass ich mich sehr bemüht habe... wenigstens meine Sachen zum größten Teil mitzubekommen. Die Koffer sind gepackt, vieles musste hierbleiben. So haben alle, die von Brasilien nach Deutschland kommen, wenigstens schon ein Geschenk für mich, müssen nichts ausgeben, nur etwas aus dem Schrank aussuchen ;-)

Also: Deutschland, bereite dich vor, ich komme wieder!

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Arbeit...

Die gibts gerade wieder mehr als genug! Das vierte Bimester ist fast um und die Zeugnisnoten müssen eingegeben werden. So habe ich heute gefühlte 1000 Noten eingegeben und 3,5 Stunden dafür am PC gesessen. Glücklicherweise hatte ich einen Großteil schon in den letzten Tagen gemacht, so ging es heute sogar recht schnell. Die Arbeit erleichtert hat mir frischer und selbstgemachter Brombeersaft und Musik von einem kanadischen Radiosender!

Jetzt muss ich nur noch die Tasche fürs Wochenende packen und dann darf ich hoffentlich bald ins Bett!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Zum Fressen gern...

Anscheinend haben mich Flöhe, oder was auch immer mit mir im Zimmer lebt, zum Fressen gern. Kaum verheilen die Füße, sind meine Oberschenkel dran. Kann vor lauter Stiche kaum noch sitzen...

Aber nicht nur Tiere können beissen! In meiner Klasse hat heute ein Junge einen anderen in den Oberarm gebissen. Angeblich haben sie zusammen gespielt. Darunter verstehe ich aber nicht einen blau-roten Abdruck von den Zähnen... Nun ja, dieser Junge musste zur Schulleiterin und hat hoffentlich gelernt, dass er seine Freunde nicht beissen darf!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Nustige Gesennen

Deborah und ich hatten heute eine aussergewöhnlich lustige Mittagspause, also eigentlich wie immer :-) Zuerst hat Deborah mich gefragt, ob ich Kägi-fret möchte. Da hatte ich einen neuen Spitznamen entdeckt und schon hieß Joel so. Eigentlich ist das nichts anderes, als die Schweizer Version vom Kit-Kat.

Kurze Zeit später hatten wir einen kneinen "L"-Schaden und sprachen statt "L" nur noch "N", was sehr nustig ist, wenn man es eine zeitnang macht. Pfnastersteine war anscheinend Deborahs Niebningswort.

Natürlich gab es wieder viele Weisheiten über das Leben, mit denen ich hier aber niemanden überfordern möchte...