Sonntag, 27. Dezember 2009

Mein langer Weg zurück...

Bevor ich euch mit weiteren erlebten Details aus der Zeit in Brasilien langweile, möchte ich erstmal eure Sensationsgier über meinen Rückflug befriedigen!
Alles fing ganz harmlos an. Am 22.12.2009 wurde ich um 2:40 Uhr am Morgen sanft aus dem Bett und somit auch aus den schönen Träumen gerissen. Ich packte meine restlichen Sachen und schon um 3:30 Uhr saß ich im Auto, das mich zum Flughafen bringen sollte. Auf der Fahrt war ich abwechselnd total aufgedreht und völlig übermüdet. Am Flughafen angekommen, gab es schon Betrieb. Ich machte meinen Check-In und begab mich in die Warteräume. Da wir keine zwei Stunden vor dem Abflug da waren, durfte ich fast direkt ins Flugzeug steigen, das mich nach São Paulo brachte. Natürlich war im Flugzeug eine Schülerin aus der Schweizer Schule. Ich war ganz überrascht, aber so konnte ich nochmal mit ein paar netten Leuten quatschen. Dort angekommen, musste ich 7 Stunden und ein paar Minuten warten, bis mein Weiterflug ging. Ich suchte mir also ein nettes Plätzchen, fast direkt am Schalter und machte es mir gemütlich. In dieser Zeit las ich fast ein ganzes Buch auf Portugiesisch durch. Zwischendurch musste ich aufstehen oder andere Dinge tun, denn die Müdigkeit wollte mich packen. Ich wollte aber nicht alleine, mit soviel Gepäck am Flughafen einschlafen. Endlich ging es weiter! Ich lernte Johanna kennen, ein Mädel, die vier Monate Praktikum in Buenos Aires gemacht hat. Wir redeten ein bisschen und stiegen ins Flugzeug. Gleich nach dem Abflug schlief ich fest ein. Zwischendurch bekam ich mit, dass wir etwas zu trinken oder auch unser Abendessen bekamen, aber das interessierte mich jetzt nicht mehr. Mein Nachbar hörte auch wahnsinnig laut Flugzeugradio, aber auch das störte mich nicht. Nach 1,5 Stunden kam eine Nachricht vom Kapitän: "Bitte entschuldigen Sie die Störung. Anscheinend ist Öl in einen der Motoren gelaufen. Das ist kein Problem, wir können auch so weiter nach Deutschland fliegen. Wir sind gerade auf dem Rückflug nach São Paulo. Wir bedanken uns für Ihre Geduld!" Okay, hab ich mir gedacht, der wird schon wissen, was richtig ist. Meinen Anschlussflug hab ich damit verpasst. Ich schlief wieder ein, diese Nachricht konnte mich noch nicht wach halten. Doch schon die nächste Nachricht sollte mir mehr Angst machen: "Bitte entschuldigen Sie die Störung. Wenn Sie hinausschauen, sehen Sie auf jeder Seite weiße Streifen aus den Flügeln kommend. Das ist nichts aussergewöhnliches, wir müssen nur etwas Brennstoff herauslassen, da wir für drei Motoren zu schwer sind. Vielen Dank für Ihre Geduld!" Hm, Brennstoff rauslassen, wenn man auch mit drei Motoren bis Deutschland gekommen wäre? Tankt man soviel zuviel? Nun ja, wir flogen weiter, jetzt konnte ich allerdings nicht mehr schlafen. Schließlich und endlich kamen wir in São Paulo an. Aber was war das? Das Flughafengebäude düste nur so an uns vorbei. Wir waren zu schnell für die Landung... Aber nach zwei Vollbremsungen war auch dieses Problem gelöst und wir standen endlich, von Feuerwehrautos umgeben, auf dem Landeplatz. Wer es nicht weiß, Feuerwehrautos sind - zumindest am brasilianischen Flughafen - gelb und nicht rot, um die Leute nicht zu beunruhigen. Da wir in der Klasse ja das Thema Flugzeuge hatten, war mir diese Nachricht bekannt. Da standen wir nun und warteten etwa zwei Stunden. In dieser Zeit las ich etwas, denn tun konnte man nichts. Der Motor wurde überprüft und immer wieder bekamen wir Gäste Nachricht über den aktuellen Stand. Schließlich wurde uns gesagt, dass der Motor leider nicht so schnell zu reparieren sei und wir aussteigen sollten und in Hotels verfrachtet werden würden. So nahmen wir unser Gepäck und dabei fand ich nicht nur Johanna wieder, sondern wir lernten auch noch Harald (einen Österreicher) kennen. Wir nahmen unser Gepäck und folgten den anderen zu den Bussen. Im Ceasar Business (http://travel.hotels-and-discounts.com/hotel/propertydetails/218045/PHOTOS?isHRN=true&position=0) wurden wir drei untergebracht. Zunächst mussten wir lange Schlange stehen (in Brasilien müssen für einen Hotelaufenthalt unheimlich viele Daten aufgenommen werden). Dabei drängelten sich die Brasilianer und Italiener immer vor. Schließlich kamen wir dran. Wir gingen in unsere Zimmer. Ich schloss die Tür meines Zimmers auf und fand zwei offene Koffer darin - mein Zimmer war bewohnt. Ich schloss wieder ab und brachte meine Koffer zu Johanna ins Zimmer. Da man eine halbe Stunde umsonst im Internet sein konnte, nutzten Johanna und ich das aus und holten unsere PCs. Zu meinem Glück war mein Onkel gerade im Skype, so konnte ich ihm berichten, was passiert war und er konnte meine Eltern benachrichtigen. Als ich da so saß, hörte ich ein bekanntes Unrich. Ich schaute mich um, ich hatte mich doch niemandem vorgestellt. Da sah ich plötzlich zwei Schülerinnen aus der Schweizer Schule. Das tat ja fast gut, bekannte Gesichter zu sehen. Wir begrüßten uns und gingen weiter unsere Wege... Wir gingen zum Abendbrot, denn die Schlange war noch unheimlich lang zur Rezeption hin. Nach dem Abendbrot setzten wir uns noch gemeinsam an die Bar und warteten, bis keiner mehr auf die Rezeption wartete. Ich nannte den Leuten kurz mein Anliegen und bekam mit vielen Entschuldigungen eine neue Karte für ein anderes Zimmer. Ich holte einen Koffer und fuhr in die neunte Etage. Dort fand ich nur meine Zimmernummer nicht. Etwas verwirrt fuhr ich wieder runter und fragte, wie ich denn mein Zimmer finden könnte. Aber, aber, das musst du doch mit den Panoramafahrstühlen fahren. Ja, ist klar. Ich fuhr hoch, öffnete die Tür und dachte dann, dass man sich vertan hätte. Solch ein luxuriöses Zimmer ist doch bestimmt nicht für mich gedacht. Ich hatte nicht nur Dusche, ich hatte auch eine Badewanne und auch ein Telefon, direkt am Klo dran (falls man es mal braucht, um alle wichtigen Geschäfte auf einmal zu verrichten). Ich holte meinen zweiten Koffer bei Johanna ab und sagte zu ihr: "Du hast ein Zimmer und ich hab einen Traum!" Nach einer Nacht, in der ich wunderbar geschlafen habe, trafen wir uns zum Frühstück. Das war ein Festessen! Viel Auswahl und superleckeres Obst. Nach dem Frühstück bekamen wir weitere Informationen. Der Motor war ganz hinüber, es musste ein neuer aus Deutschland bestellt werden. Bis der ankommen würde, würden vier bis fünf Tage vergehen. Es würde jetzt ein neues Flugzeug aus Deutschland geholt werden, das erst gegen Mitternacht fliegen würde. Damit war klar, Heiligabend wäre ich nicht bei meinen Eltern. Am Anfang war es schwer, dann suchten wir die positive Seite. Schauten, was man denn so machen könnte und entschlossen uns, Mittag essen zu gehen, da wir so wenigstens an Trinkwasser rankamen. Wir verbrachten die ganze Mittagszeit 11:30 Uhr bis 15:30 Uhr im Restaurant und tranken hauptsächlich Wasser. Da Johanna ihren Schlaf noch nicht nachgeholt hatte, ging sie ins Bett und Harald und ich schauten die Anlage mal genauer an. Dabei fanden wir einen Billardtisch und spielten Billard. Nun ja, wenn es nach meinen Sprüchen ging, hätte ich bestimmt gewonnen, so hab ich nicht ganz gewonnen. Wir hatten aber alle viel Spaß, denn es gesellten sich noch andere Fluggäste dazu. Schließlich ging ich zurück auf mein Zimmer, um meine Sachen zu packen. Ich telefonierte auch gleich mit meiner Mama, um eine Flugverbindung von München Richtung Nähe meiner Eltern herauszufinden. Nach dem Auschecken ging es nochmal ins Restaurant, zum Abendbrot. Dann ging es in den Bus und Richtung Flughafen. Dort mussten wir wieder lange Schlange stehen, denn alle Passagiere mussten ihre Koffer neu abgeben und mindestens die Hälfte wollte einen Weiterflug. Wir hatten inzwischen noch eine Begleiterin gefunden, die Andrea, und hatten unheimlich viel Spaß miteinander. Endlich war ich am Schalter. Ich fragte nach einem Anschlussflug und erhielt die Nachricht, dass das nicht gehen würde. Ich bat also darum, meine Mama anrufen zu dürfen, damit sie mir von Deutschland aus wenigstens einen Platz in irgendeiner Maschine reservieren könnte. Der nette Herr bat mich ins Reisebüro, auf der anderen Seite der Schalter. So ging ich um die Schalter und wartete höflich an der Tür des Reisebüros.
An dieser Stelle möchte ich kurz den Unterschied im Verhalten der Deutschen zum Verhalten der Brasilianer aufzeichnen: Während sich die Deutschen schnell mit der Tatsache abfanden, ruhig und sogar lustig waren, brüllten und tobten die Brasilianer, gingen auf sämtliche Deutsche los (auch mich wollten sie schlagen, weil ich Deutsche, also verantwortlich für die Lufthansa bin). Im Hotel rotteten sich die Brasilianer zusammen, fanden unter den Passagieren einen deutschen Anwalt und wollten eine Sammelklage gegen die Lufthansa starten. Das sollte in Deutschland sein, damit sie mehr Geld bekämen, denn in Brasilien würde diese Klage niemals durchkommen. Ich hab das Problem nicht erkannt. Ja, wir haben Heiligabend verpasst. Ja, manche waren nichtmal zu Weihnachten dort, wo sie sein wollten. Aber wir lagen auch nicht am Meeresgrund. Die Lufthansa hat kompetent reagiert, hat ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und sich gegen Geld und für unsere Sicherheit entschieden. Denn unser verlängerter Aufenthalt in Brasilien hat der Gesellschaft viel Geld gekostet!
An der Tür des Reisebüros bekam ich also mit, wie wieder ein paar Brasilianer vor sich hintobten und die Angestellten, die das schon den ganzen Tag hatten, gar nicht mehr richtig auf diese Menschen reagierten. Der eine schrie, dass bei unserer Notlandung keine Feuerwehr da war. Dem erklärte ich, dass sehr wohl Feuerwehr da war und dass die Feuerwehr am Flughafen eben gelb sei und nicht rot. Dann brüllte er, dass wir im Hotel keine Nachrichten bekommen hätten. Daraufhin erklärte ich, dass ich sehr wohl alle Nachrichten bekommen hätte. Das Personal sei unhöflich gewesen und hätte ihn wie den letzten Dreck behandelt. Ich meinte, dass das Personal mir gegenüber sehr freundlich gewesen wäre und ich keine Probleme gehabt hätte. Als er weiter tobte und ich nicht mehr alles verstand, stand ich wieder leise an der Tür. Irgendwann fragte der Chef der brasilianischen Lufthansa einen Mitarbeiter, was die denn da macht. Er wusste es auch nicht. So sprach der Chef mich an und ich erklärte ihm, dass sein Mitarbeiter mir angeboten hätte, dass ich nach Deutschland anrufen könnte. Er wollte wissen, warum ich anrufen wollte und ich erklärte ihm, dass ich gerne einen Inlandflug in Deutschland reservieren lassen würde. Er fragte, ob er mir diesen Inlandflug buchen dürfte. Da hab ich ihm erklärt, dass er das ja nicht dürfte, zumindest wurde es mir am Schalter so erklärt. Doch, er könnte das und ist direkt zu den Schaltern gegangen und hat es seinen Mitarbeitern auch gesagt. Dann hat er für mich den Flug rausgesucht und gebucht. Danach fragte er, ob mein Gepäck schon durchgecheckt ist. Nein, ich wusste ja nicht, ob das gehen würde. So sandte er einen Mitarbeiter zur Abfertigungshalle und lies meinen Koffer umleiten, sodass er bis Hannover durchging. Leider könnte er nur mein Ticket nicht ausdrucken, aber ich hätte hier ein Papier, da stünde alles drauf. Okay, das war aber nett. Vielleicht könnten Sie dann auch den Weiterflug meiner Freundin Johanna buchen? Wohin will die denn? Nach Leipzig. Aber da geht kein Flug hin. Doch, doch, meine Mama hat einen rausgesucht, um 20:35 Uhr. Wir suchten gemeinsam, bis wir diesen Flug endlich fanden. In der Zwischenzeit erzählte ich ihm, dass Johanna eigentlich ihre Eltern zu Weihnachten überraschen wollte, dass diese Überraschung leider nicht ganz so geklappt hätte... Er brauchte dann noch den vollständigen Namen, den hatte ich aber nicht. Okay, dann würde er alles vorbereiten und Johanna müsste sich am Boardingschalter melden. Voller Freude bin ich losgezogen, hab auch schnell die anderen drei gefunden. Bin zu Johanna gegangen und habe ihr gesagt, dass ich einen Flug gebucht hätte, um 20:35 Uhr, nach Leipzig auf eine gewisse Johanna. Die hat sich wahnsinnig gefreut! Ist zum Schalter gegangen. Es hat alles noch eine Weile gedauert, aber dann hatte auch sie ihre Weiterflugmöglichkeit in der Hand. Ich hab mir gedacht, dass man - zumindest beim brasilianischen Lufthansapersonal - mit Freundlichkeit viel weiter kommt, als mit dem Schreien und Toben. Endlich stiegen wir ins Flugzeug. Es war riesig (Airbus Typ A340)! Der Kapitän erklärte uns auch, dass es absichtlich so sei, damit möglichst alle Fluggäste zwei Plätze für sich hätten, um ausruhen zu können. Leider konnte ich kaum schlafen, denn bei jedem kleinen Ruckeln bin ich aufgewacht und habe Angstzustände bekommen. So habe ich gelesen und zwei Filme geschaut. Endlich kamen wir an! In München waren wir etwas früh dran. Ich fand einen Edeka und kaufte mir schnell noch eine Flasche Wasser, bevor alle Läden zumachten, denn inzwischen war es 16:30 Uhr - Heiligabend... Vor dem Check-In saßen noch mehr Leute die nach Hannover wollten. Davon hatte nur ich ein Ticket. Zwei brasilianische Mädchen, die weder deutsch noch englisch sprachen, hatten mich schon in São Paulo angesprochen, ob ich ihnen nicht in Deutschland helfen könnte. So versuchte ich ihnen zu helfen, schickte sie aber in die falsche Richtung. Als sie nicht wiederkamen, bekam ich Angst und rannte los. Zunächst bis dahin, wo ich sie geschickt hatte, dann bis dahin, wo sie eigentlich hinwollten. Ich fragte nach, ob sie gesehen wurden. Schließlich war ich am Lufthansaschalter gelandet. Dort fragte ich wieder nach. Und weil ich schon dabei war, erzählte ich dem Mann am Schalter, dass beim Condorschalter eine Menge von den Fluggästen aus meinem Flugzeug waren, die kein Ticket mehr hatten. Ich fragte ihn, ob es vielleicht eine Möglichkeit gäbe, diesen Leuten das Einchecken zu erleichtern. Er sprach mit der Chefin, rief bei Condor an und warnte die Leute erstmal. Dann ging er selbst zu dem Schalter, öffnete einen eigenen Lufthansaschalter und half den Leuten, einen Platz nach Hannover zu bekommen. Danach bedankte er sich ganz herzlich bei mir. Als um 20:45 Uhr die Maschine endlich nach Hannover ging, war ich froh! Am 24.12., gegen Mitternacht war ich endlich bei meinen Eltern angekommen!

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