Dienstag, 10. November 2009

São Paulo

Wahrscheinlich warten einige von euch schon ganz gespannt auf meinen Bericht über den Wochenendausflug nach São Paulo? Nun ja, ich erhole mich langsam und werde euch heute etwas berichten:

Am Freitag, gleich nach der Schule ging es los. Vor der Schule stand ein relativ gemütlicher Bus, in den wir einstiegen, je nach Alter eher weiter nach vorne oder nach hinten... Die Fahrt war wirklich nett. Wir hielten einmal an und kamen nach 6,5 Stunden endlich in São Paulo an. Zuerst packten wir alle Instrumente in die Schule, dann ging es ab zum Hotel. Nun ist es hier nicht normal, dass der Busfahrer die Qualitäten der Orientierung oder der Straßenkenntnis hat. So brauchten wir für die 4 Kilometer bis zum Hotel auch nur 40 Minuten. Irgendwann wurde es sogar den Schülern zu bunt, als wir nämlich das dritte Mal an der gleichen Stelle waren.

Am Abend wollten wir mit der ganzen Gruppe im Shopping gegenüber Essen gehen. Mutig überquerten wir die Straße, nur um direkt in eine Gang reinzulaufen. Der Direktor sorgte aber schnell dafür, dass wir wieder aus der Gang rauskamen und uns kurz sammelten. Eine der Lehrerinnen ging vor und wir hatten jeder nur eine Aufgabe: Den Blick immer auf den Bekannten vor uns zu richten. So kamen wir bis zu den Sicherheitsbeamten, die gerade den Shopping sperren wollten (wegen der Gang und der Angst vor Randalen/Überfällen usw.). Die Lehrerin sprach mit dem Sicherheitspersonal und konnte sie überzeugen, dass wir wirklich Gäste aus der Schweizerschule in Curitiba waren. So musste sie neben den zwei "Bullen" stehen und sagen, wer dazugehörte und wer nicht. Wer sich dazwischen mogelte, wurde schonungslos zur Seite geschubst, aber wir kamen alle wohlbehalten durch.

Das gemeinsame Essen war dann doch irgendwie getrennt: Wir Lehrerinnen saßen mit unserem Direktor (als Hahn im Korb) an einem Tisch, während das männliche Personal die Kinder betreute. Das Thema war dementsprechend: Wir sprachen über den gutaussehenden Sicherheitsbeamten der in der Schule arbeitet. Wir behaupteten natürlich, dass deswegen soviele Mütter die Einschreibung an der Schule machen, weil dieser gutaussehende Sicherheitsbeamte da sei. Der Direktor nahm das alles sehr zu Herzen und wollte diesen Sicherheitsbeamten sofort entlassen. Als am Montag ein anderer Mann da stand, waren wir Lehrerinnen natürlich alle sehr betrübt. Es war aber nur Zufall, eine Vertretung, heute stand wieder der richtige Mann da :-)

Bei der Rechnung haben wir wieder gemerkt, dass man nicht unbedingt rechnen können muss, um Kellner zu sein. Es ist in São Paulo wohl üblich, dass man vor dem Bestellen, ohne Aufforderung, sagt, dass man später getrennt zahlen möchte. Sonst muss später einer die Rechnung begleichen. In unserer Unwissenheit haben wir natürlich erst etwas gesagt, als wir die Rechnung bestellten. Wir wunderten uns schon, dass drei Kellner nacheinander bei dieser Information flüchteten und wir schließlich lautstark die Rechnung verlangten. Der erste Kellner behauptete, den Taschenrechner zu holen. Der zweite behauptete das Gleiche, der dritte Kellner behauptete schließlich, dass das System ausgefallen sei. Der vierte Kellner erklärte uns schließlich, dass wir vorher hätten sagen müssen, dass wir getrennt zahlen wollten. Die Sekretärin (unserer Schule, die uns begleitete) meinte daraufhin, dass das doch kein Problem sei, wo der Mann doch die Gesamtrechnung in der Hand hielt. Er schaute sie verdutzt an und sie meinte, man könne ja auch im Kopf oder auf Papier rechnen. Er verschwand... Wir lästerten! Chris hatte aber gerade noch die Rechnung erwischt und so fing sie an, auf dem Papierset, die einzelnen Rechnungen aufzustellen. Zwei Lehrerinnen kontrollierten ihre Rechnung mit dem Handytaschenrechner (davon ein IPhone, es muss also richtig gewesen sein). Es sammelten sich mehrere Kellner um uns, um dieses Spektakel zu beobachten, denn jeder Lehrer hatte eine andere Zahlungsart. Der Kellner, der schließlich die Zahlung annahm, war am Ende ganz verwirrt, wusste selbst nicht, was er da tat und vertraute voll und ganz auf Chris Rechnung. Sie rechnete am Ende alles zusammen, um so die Kontrolle zu machen. Es fehlten genau 30 Real. Da sahen wir, dass das das Trinkgeld war, das schon ausgerechnet war. Wir schmissen alle ein paar Münzen zusammen und kamen schnell auf das Trinkgeld. Ich glaube, alle Kellner haben aufgeatmet, als wir endlich das Restaurant verließen :-)

Auf dem Rückweg (etwa zwei Stunden nach der Ankunft im Shopping), war die Gang immer noch da. Wir versuchten wieder mit der gleichen Methode - Schau auf deinen Vordermann und verlier ihn nicht - durch die Gang ins Hotel zu kommen und es klappte!

Nach einer unruhigen Nacht (sehr heiß, unruhige Zimmernachbarin) gings in den Samstag. Das Frühstück war lecker, viel Kuchen und frisches Obst :-) Danach gings zur Schule. Da wir mit den Kids nochmal ein paar Stellen durchgegangen sind, weiß ich nichtmal, ob die Fahrt ohne Umwege zustande ging. Dort angekommen, haben alle gut angepackt und innerhalb kürzester Zeit war die Bühne mit allen Sachen aufgebaut. Wir schlenderten etwas über den Bazar. Es war wirklich schön, viel gute Sachen und ich bekam Lust zum Einkaufen.

Dann war es endlich soweit, die Schülerband hatte ihren Auftritt. Sie spielten und sangen wirklich gut. Und da wir einen professionellen Tontechniker hatten (ich wusste gar nicht, dass es hier sowas gibt), klang es einfach sehr gut! Wir Lehrer waren die größten Fans und tanzten ausgelassen. Die Leute aus São Paulo waren nicht so bewegungsfreudig und so waren wir schnell bekannt :-) Ein paar der Paulistas trauten sich zu uns und forderten die eine oder andere Lehrerin zum Tanzen auf... Am Ende räumten alle Schüler und Lehrer brav auf.

Weiteres gibt es in den nächsten Tagen!

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